deutsch vietnamesische freundschaft, oder wie ich auf den spuren von horst koehler wandelte

naja, wieder auf den letzten druecker. hanoi, hier sind wir. nein, hanoi, hier waren wir. denn schon ist der tag fast hinueder und der neue morgen wird uns gnadenlos aus den federn scheuchen. die tage sind vergangen und die momente ans schreiben zu denken wollten nicht kommen …

zurueck. der „reunification express“ schipperte uns die noch verbliebenen 150 km nach hanoi, mit sagenhafter geschwindigkeit von 48 km/h … ein bisschen wie ein hochsicherheitsgefaengnis kommt er daher, die fenster doppelt gesichert mit einem feinen gitter und herunterfahrbaren metallschienen … und all das gegen das eigene volk, das diesen zug als reines transitfahrzeug betrachtet, welches die beiden enden des landes verbinden, die in ihrem raketenhaften abflug richtung westen die mitte in ihrer armut zurueckgelassen haben. die harmlosere begruendung: schutz vor kindern, die mit steinen schmeissen.

irgendwann fluestert eine englische stimme zwischen den laerm ratternder raeder – und der zug faehrt in hanoi ein … die tueren fliegen auf, leute rennen wild von links nach rechts, unsere ankunft ist besonders interessant. „hello, my friend“, sagt eine stimme, und ich denke „kennen wir uns?“ doch ehe ich zu ende denken kann, habe ich eine visitenkarte in der hand – und wess bescheid. ein bisschen plaudern wir noch, dann lassen wir ihn am eingangstor des bahnhofs zurueck und watscheln selbst ins zentrum, suchen uns ein zimmer in einem der elend hohen, schmalen gebaeude, aus denen fast alles urbane in vietnam zu bestehen scheint…

 baustil

 und marschieren drauf los … raschel, tratsch, lach, quitsch, noek, huup … vrooooooooam, huuuuuuuuuuuuuuuuup, droehhhhhhhn … irgendwann, irgendwann … hoerst du nichts mehr, oder alles scheint zugleich in deinem kopf zu sein. waehrend in thanh hoa die strasse gegen mittag und ab 7 uhr abends erstaunlich leer war, schlaeft hanoi – wie jede gesunde grosstadt – einfach nie. was soll ich sagen, es hat seinen reiz. nur manchmal, spaetestens, wenn der 25. mopedfahrer dich von hinten mit einem martinshorn aus seinem grosszuegig geplanten weg gehupt hat, traeumst du davon, in jackie chan-manier den arm, fuss oder eine stange links oder rechts heraus zu halten und mit schadenfreude den hupie daran baumlen zu sehen … aber sonst …

hat diese stadt vieles … vieles, was sich erwaehnen liesse. das, was den touri interessiert, etwa den kult rund um den grossen befreier: ho chi min, oder uncle ho, wie er hier wohl heisst. hier wohnte er mal:

uncle hos haus

 … wie schoen …

und hier „wohnt“ er jetzt:

 mausoleum

 … wie … gross …

den rest unnachahmlicher touristischer praesenz lasse ich aussen vor, zu gunsten zweier ereignisse, die (scheinbar) waehrend unsere zeit fielen …

so etwa die wahl zur grossen volkskammer der volksrepublik, oder wie das organ hier wohl heissen mag. fuer mich war dies zweifellos ein ereignis, vor allem ein fotografisches …

fahnenmeer hanoi

… gearbeitet wurde auch, vielleicht, ein wenig … vor allem die wahlhelfer hatten offensichtlich alle haende voll zu tun …

wahlhelfer

 und auch jene, die sonst eher europaeer durch die strassen schaukeln durften gen abend – unter offensichtlich massivsten sicherheitsvorkehrungen –  die stimmen des volkes chauffieren. wohin eigentlich?

wahlurne

das schoenste an der wahl war zweifelsfrei die kunst, die irgendein parteiorgan sich hat einfallen lassen, um das volk an die urne zu rufen…

wahlplakat

was in meinen augen jedoch ein wenig fehlte, war die feierliche sonntagsstimmung, die in unseren landen an solchen tagen – es war tatsaechlich sonntag – die luft zu erfuellen scheint. statt dessen war, was immer war – und was offensichtlich tief in der vietnamesischen seele sitzt: business. in dem von adine an franzi verliehenen (und von mir unerlaubter weise in besitz genommenen und laengst verschlungenen) buch von ticciano terzani (richtig?) ist in vielfacher weise von der macher-mentalitaet der kleinen vietnamesischen nachbarn der grossen geschaeftemacher-nation china die rede. vor allem das bild der mobilen reifenreparaturwerkstatt, bestehend aus einer schuessel wasser und einer luftpumpe, ging mir nie aus dem kopf, bis ich sie das erste mal in hanoi sah (und dann wieder und wieder …).

dass es in deutschland seit einigen jahren die ich-ag gibt kann nur, da bin ich sicher, ein import sein. begriffe wie do-it-yourself-man oder start-up-unternehmen koennen nur vietnam ihr paradigma entfalten. der luftpunmpen-mann fehlt in meiner sammlung, aber das:

business 1

 ist ein vollwertiges geschaeft, ebenso wie das:

business 2

dieser mann ist ein ganzes logistikunternehmen …

 toilettenfahrer

 und jener zweifellos ein caterer oberster wichtigkeit … und effizienz:

 bierfahrer

ok, genug.

das zweite ereignis ist ein schatten. irgendwann wurde ich auf die schoenen roten spruchbanner aufmerksam, die heute das botschaftsviertel ueberspannten … und auf denen zu lesen war „herzlich willkommen horst koehler und gattin“. da dachte ich: „warum kann ich das lesen … und woher kenne ich den namen?“ aaaaahhh. und von da an fuehlte ich mich wie zu hause …

fahnen hanoi

und dann taten wir, was jeder gute deutsche tut, wenn er im ausland einen landsmann (fast) trifft: wir stiessen auf ihn an. wenn auch mit dem lokalen nektar: bia hoi.

 franzi beim bier

nicht nur muss er kurz vor (oder nach…) uns durch museum, mausoleum und haus von uncle hu spaziert sein … auch war der literaturtempel gesperrt, als wir ankamen, weil just horst deutsche kultur und vietnamesische mit sicherem blick verglich. so wandelten wir kurz darauf auf noch „deutsch“ hallenden pfaden. welche ehre…

wer weiss, ob haiphong, zu dem wir morgen aufbrechen, das noch toppen kann.

mz

ps: weiss jemand, ob horst koehler tatsaechlich am 22.5. in hanoi war oder ob einfach nur spruchbaender vom vergangenen jahr noch immer ueber der strasse baumelten?

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Eine Antwort

  1. Er ist wirklich in Vietnam und wird auch China bereisen um gegen „Wachstum ohne Demokratie“ zu kaempfen oder eher zu fragen, wie es denn so aussieht. Euch wuensche ich weiterhin viel Spasz!
    Hab mal spontan den erstbesten Artikel aus dem Netz gefischt.
    http://www.dw-world.de/dw/article/0,,2542235,00.html?maca=de-rss-de-top-1016-rdf

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