Auf in den Steinbruch …

Mehr als dreizehn monate liegen zwischen dem unsicheren schritt an bord emiratischer langstreckenverfliegung, an deren endpunkt uns allerlei versprochen, verheißen und mit ängstlichen gesten angewarnt worden war. lange genug um zu sagen, es sei lange her, lang genug, um noch lange nicht genug davon zu haben.
ein kleines, klitzekleines stück des erlebten begleitet mich – kitschige spielerei – auf meinem mobiltelefon; kein paradies, das verstehe ich bei jedem blick auf anhieb, aber doch MEIN glück, für stunden, tage – und mehr noch heute. den bedauerlichen wert zeitlicher distanz für das erinnern kann man bedauern oder nicht, das bild tut mir gut.

das kleine elefantenrennen in vang vieng der beiden mönche und uns zwei – ungleiche „tour“, die wir zwei sehsüchtigen europäer auf viel zu klein geratenen kinderrädern nicht gewinnen konnten, aber auch nicht wollten – ist mir zum anlaß geworden. so will ich es nennen. auch wenn ich versucht habe, bereits während der vier monate durchsickern zu lassen, was hängen bleibt – an selbigem ort -, so bin ich alles andere als zufrieden. zu wenig, zu lückenhaft und v.a. zu sensationslüstern und tabellarisch wurden die schnipsel unserer fahrt. kein dazwischen, kein blick, den ich auch nicht zu fotografieren gewagt habe, hat hier niederschlag gefunden. gründe gibt es genug, sie sind jetzt nicht von belang. mich selbst an mein vorhaben zu erinnern, all das nachzuholen hingegen schon.

das tagebuch, das ich nicht schrieb, entlang bereister routen – mir egal, ich war vordem noch nie dort – soll es jetzt geben. ein glücklicherweise genau umrissenes projekt, das macht es leichter, schreibwut in formen zu kippen, ohne angst, gleich alles zu zerfasern…

Geschichte stinkt …

… ein Splitter am Rande, Miszelle heißt das wohl anderswo, wo man mit Sprachperlen glänzen will: Unlängst saß ich in meinem Studierstübchen unter dem Dach, studierte vor mich her, als ein archaisch-kraftvolles Tuten von Links mich aufschauen ließ – eine Dampflok! Mit ein, zwei, drei alten, abgeranzten Waggons rauschte sie vorbei. Schnell für so ein Ungetüm denke ich noch, und verqualmt, wie es sich gehört; dreckig dazu. Und warum hat das Zügl nur drei Waggons?

Als ich mich zurückwenden will, lese ich es gerade noch auf dem letzten Anhänger – und werde schnell schlau, und muss gleich darauf lachen, weil alles an diesem Bild sich zur Metapher fügt; die zwar schon vorüber ist und niemanden außer mir derart beeindrucken wird, wie es das Konstrukt sonst kaum vermag, aber dennoch: „Zug der Erinnerung“ steht auf dem letzten schmutzigen Stück der blechernen Kette, die vorn Lärm macht und stinkende Rauchwolken nach links und rechts verteilt, als seien es die Kaugummis eines GIs in Vietnam oder Berlin. Es stimmt, dachte ich da: Während Geschichte sich alle Formen der Erscheinung leistet, kommt ihre häßliche kleine Schwester immer ein bisschen dreckig daher, immer zu kurz und keiner sieht (oder riehct) sie wirklich gern. Der Rest ist Inszenierung, Pomp entspringt der Geschichte der Sieger und fährt sicher nicht mit an Bord.

Zug der Erinnerung

mz