Geschichte stinkt …

… ein Splitter am Rande, Miszelle heißt das wohl anderswo, wo man mit Sprachperlen glänzen will: Unlängst saß ich in meinem Studierstübchen unter dem Dach, studierte vor mich her, als ein archaisch-kraftvolles Tuten von Links mich aufschauen ließ – eine Dampflok! Mit ein, zwei, drei alten, abgeranzten Waggons rauschte sie vorbei. Schnell für so ein Ungetüm denke ich noch, und verqualmt, wie es sich gehört; dreckig dazu. Und warum hat das Zügl nur drei Waggons?

Als ich mich zurückwenden will, lese ich es gerade noch auf dem letzten Anhänger – und werde schnell schlau, und muss gleich darauf lachen, weil alles an diesem Bild sich zur Metapher fügt; die zwar schon vorüber ist und niemanden außer mir derart beeindrucken wird, wie es das Konstrukt sonst kaum vermag, aber dennoch: „Zug der Erinnerung“ steht auf dem letzten schmutzigen Stück der blechernen Kette, die vorn Lärm macht und stinkende Rauchwolken nach links und rechts verteilt, als seien es die Kaugummis eines GIs in Vietnam oder Berlin. Es stimmt, dachte ich da: Während Geschichte sich alle Formen der Erscheinung leistet, kommt ihre häßliche kleine Schwester immer ein bisschen dreckig daher, immer zu kurz und keiner sieht (oder riehct) sie wirklich gern. Der Rest ist Inszenierung, Pomp entspringt der Geschichte der Sieger und fährt sicher nicht mit an Bord.

Zug der Erinnerung

mz

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