düsseldorf – dubai

einiges über das dem eigentlichen reisen vorausliegende habe ich ja bereits geschrieben. doch dabei bleibt es nicht. keine angst, vorerst keine weiteren reflexionen. unsere reise begann schlicht und einfach tatsächlich nicht im flieger nach (good old travellers hell) bangkok, sondern im ICE von berlin nach düsseldorf. 4 stunden niemandsland. noch nicht im reisefieber, das heim verwaist. das gefühl dafür ist längst verblasst aber ich weiß, die zeit war leer, wenn auch der blick auf das deutsche zwischenland, das sich am still stehenden zug mit beeindruckender geschwindigkeit vorbeiwälzte, die leere bildreich füllte.
vier stunden auf dem gang, denn unser flugticket sicherte uns zwar eine kostenlose bahnfahrt zum flughafen, sogar einen tag vor der abreise, nicht aber einen platz. die bleiben zahlenden reisenden vorbehalten. schadet uns nicht, stimmt es uns doch auf die zu erwartende reisequalität asiatischer busse ein. (wobei klarzustellen ist: wirklich darauf vorbereiten kann man sich nicht)
vier stunden deutsche bahn, deutscher querschnitt – auch fußballfans fahren im weißen röhrenblitz dirch die republik, was uns den einblick in die distanz zwischen den großen arenen der bundesliga gibt, von cottbus nach hannover, von wolfsburg bis gelsenkirchen, letztlich alles ein katzensprung. reicht kaum für eine dose gutes LIDL-bier. aber mal ehrlich: sie waren friedlich.
überdies: für uns vier stunden hörspiel. es war ja für die unendlich langen stunden unbrauchbaren wartens oder totaler entspannung am anderen weltende gedacht, aber warum sollte man warten? so ergab sich die chance, den „schatten des windes“ von zafon in gänze zu genießen. einnehmend. vielleicht haben wir von der gerühmten deutschen landschaft doch nicht so viel erlebt, wie ich selbst meinte. fotos gibt es jedenfalls keine – und das sollte bei mir etwas heißen.

einen letzten tag die füße hoch bei meiner mama in kaarst. um es tatsächlich als signifikanten abschied zu erfahren, war es jedoch zu sehr so wie daheim. der sprung kam später. es wird ein tag in ruhe und hektik zugleich gewesen sein – die einen leinen definitiv bereits gekappt, an anderen wurde noch gezurrt, letzte dinge versammelt, letzte überflüssige dinge aus dem rucksack geworfen … ein tiefer vergeblicher zug aus der pulle heimat, nichts bleibt wirklich.
einprägsam war der abendflug, der einen ganzen tag aufregung zuließe, seltsam, nicht ins bett zu gehen, um in frühester frühe zum flughafen aufzubrechen. so schreiben sich meine kindheitserinnerungen der flüge nach afrika, deren aufbruchsfahrten nach berlin schönefeld in nachtzeiten etwas konspiratives hatten. einen verschlafenen morgen lang auf der rolltreppe am flughafen auf und ab zu fahren, etwas, das es sonst nirgendwo gab, hat prägecharakter.
statt dessen saßen wir noch um fünf uhr nachmittag auf der terrasse, ich trank verschämt ein letztes deutsches bier, im bewusstsein, es würde für monate keines geben (welch irrtum!), und warteten auf den moment.

der kam. bereits nach dem abschied am sicherheitscheck, kappten die letzten bande, ein flughafen ist niemandsland. alles glänzt, und was nicht glänzt ist nur ein riß in der fassade, nichts woran man sich halten kann. wir spazierten durch die leeren hallen, es wird wohl nicht viel geflogen abends in düsseldorf, die wenigen, die mit uns warteten, waren gewiss mitreisende, ein verlorenes flugzeug voll turnte noch durch die shops. (mit unterschiedlichen ambitionen: beinahe ängstlich die hand am bauchgurt, wie wir, die einen, die tüten füllend, fast achtlos, die anderen)
irgendwann kehrte selbst dort ruhe ein, wir setzen uns auf eine der bänke, den blick auf uns selbst und die kommende nacht.

dabei war für andere das reiseziel offenbar klarer als unseres, ihre heimat lag vor ihnen. unser zwischenstop als letzter atemhalt vor dem abenteuer, dubai, war ihr ziel.

das land ohne land, in der wüste, der bunte glitzerflecken, selbst
schon völlig versandet, ein ewiges rollband, neben dem links und rechts
tausende reisende ihren müden leiber fallen lassen, auf den breiten
teppichstreifen liegen, als hätte man ihnen einen quadratmeter asyl
zugewiesen.

wir daneben. wenn auch nicht mit dem gestus selbstverständlichen hierseins, der sich erst einstellen wird – so vermutete ich damals -, wenn man einmal rum ist. mit flip flops durch deubai airport. so weit bin ich noch nicht.

noch bin ich beobachter, laufe den einzigen gigantischen gang, aus dem dieser transit besteht, auf und ab. staune nicht, schaue aber wohl genau hin. all das gibt es überall, aber nicht auf einmal. jeder, der hier herumläuft, -liegt oder -steht, will woanders sein. manche weniger, sie gehen shoppen, kommen vielelicht nur dafür her, doch die müden seelen am teppichrand sprechen frei.

auch wir wollen weiter – und fliegen weiter. nach bangkok.

mz

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: